Sovrano Militare Ordine di Malta - Delegazione di Bolzano - Alto Adige
Souveräner Malteser Ritterorden - Delegation Bozen - Südtirol
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Geschichte der Delegation Bozen - Südtirol

Seit dem 30. Jänner 1997 gibt es in Südtirol eine eigenständige Delegation des Großpriorates Venedig des Malteserordens mit Sitz in Bozen, der sich auch die Trentiner deutscher Muttersprache anschließen dürfen. Erster Delegat wurde der bisherige Vizedelegat von Verona, Carl Baron Eyrl, erster Ordenskaplan Kanonikus Prof. Karl Golser (+25.12.2016). Der damalige Bozner Dekan Johannes Noisternigg stellte dem Orden die Kirche St. Johann im Dorfe in Bozen zur Mitbenützung zur Verfügung, später wurde er zweiter Ordenskaplan. Bereits im Jahr nach der Gründung erhielt die Delegation einen mehrtägigen Besuch des Großmeisters Frà Andrew Bertie (+2008), der heute als Diener Gottes Verehrung findet. Höhepunkt war eine gemeinsame Messfeier mit Bischof Wilhelm Egger, der in seiner Predigt die Rolle der Laien in einem religiösen Ritterorden hervorhob. Schon bald wurden unabhängig von ihrer sprachlichen Zugehörigkeit neue Ordensmitglieder aufgenommen. Ein zweitägiger Erste-Hilfe-Kurs sollte die Ordensmitglieder auf ihre helfende Arbeit vorbereiten. Zum zehnjährigen Bestehen der Delegation nahm Kardinalpatron Pio Laghi im Juni an der Fronleichnamsprozession in Bozen teil. Anlässlich des Sommerurlaubes von Papst Benedikt XVI. in Brixen konnte die Delegation Bozen mit ihren „Herren Kranken“ 2008 am Angelus-Gebet des Papstes am Brixner Domplatz teilnehmen. In einer Fragestunde in Brixen nahm der Hl. Vater Bezug auf eine Aussage des Großmeisters der Malteser und würdigte in einem zweiten Moment die große Geistesbildung unseres Ordenskaplans Karl Golser, der noch im gleichen Jahr zum Bischof der Diözese Bozen-Brixen ernannt wurde. In seinem am Weihnachtstag kreierten Wappen erinnerte Bischof Golser an seine Zugehörigkeit zum Malteserorden, so galt auch nach seiner Bischofsweihe sein erster Weg zu den Kranken. Die Delegation Bozen unternahm 2012  gemeinsam mit den Familiaren des Deutschen Ordens eine Reise nach Malta zu den bedeutendsten Stätten des Wirkens des Malteserordens, aber auch auf den Spuren des hl. Paulus. Im Sommer 2015 ehrte Großmeister und Fürst Frà Matthew Festing anlässlich seines Staatsbesuches in Trient die Delegation Bozen mit seiner Anwesenheit bei einer Hl. Messe mit Bischof Ivo Muser. Wenig später wurde Kanonikus Ulrich Fistill als neuer Ehrenkonventualkaplan in den Orden aufgenommen. Der neue Delegat Hans-Christoph Baron Hohenbühel wurde 2016 zum (Pro-)Rezeptor des Großpriorates Lombardei-Venetien bestellt. Zum Abschluss des "Jahres der Barmherzigkeit" unternahm die Delegation, gemeinsam mit dem Großpriorat, eine Wallfahrt nach Monza. Im Sommer 2017 ernannte der Stadthalter des Großmeisters Frà Giacomo Graf Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto den ehemaligen Delegaten Carl Baron Eyrl zum Bailli. Im Jahre 2018 konnte die Delegation Bozen der 800-jährigen Präsenz des Ordens auf dem Gebiet des heutigen Südtirol resp. des historischen Tirols gedenken.

1218 - Die ersten Spuren des Malteserordens in Tirol

 Schon das Spital in Jerusalem rief bei Zeitgenossen Bewunderung hervor, da bis zu 2.000 Kranke und Bedürftige beiderlei Geschlechts, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit versorgt wurden. Das Spital diente in erster Linie der ärztlichen und seelsorglichen Verpflegung und blieb auch nach der Eroberung Jerusalems durch Saldin 1187 Vorbild für alle weiteren Hauptspitäler der Johanniter in Akkon (1191–1291), auf Zypern und auf Rhodos (ab 1310). Auf Malta (1530–1798) trat aber neben der Versorgung auch der Aspekt der medizinischen Heilung in den Vordergrund. Aufrecht blieb das Selbstverständnis als Ritterorden in seiner noch heute von christlich-ritterlichen Idealen geprägten adeligen Tradition, die von einer auf den Nächsten ausgerichteten Haltung gekennzeichnet sein sollte.

Innerhalb der heutigen Diözesangrenzen von Bozen-Brixen ist eine Johanniterpräsenz im einst zum Bistum Chur zählenden Vinschgau belegt, wo der Orden zwei Spitäler führte, nämlich das 1218 erwähnte St. Johann in Müstair, das von Schwicker von Reichenberg vor den Mauern von Damiette (دمياط in Ägypten) im Juli 1218 dem Orden geschenkt wurde, und Kirche und Hospital von St. Medardus in Tarsch, das dem Orden von Graf Albert III. von Tirol bzw. von Bischof Berthold von Chur übergeben wurde. Beide Spitäler zählten zum Gebiet der Diözese Chur, waren aber dem Priorat von Venedig unterstellt. Das alte zweigeschoßige und mit Malereien ausgestattete Hospitalgebäude der Johanniter in Taufers hat sich gut erhalten. An dieses schließt auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes eine Kirche an. Durch eine große Fensteröffnung konnten die Kranken der hl. Messe folgen. Bemerkenswert ist der östliche Einfluss in Architektur und Malerei. Ab 1566 gelangt das Hospiz in Privatbesitz. Bei Latsch im Vinschgau wurden den Johannitern zwischen 1218 und 1228 die Kirchen (bis 1808/11) St. Medardus in Tarsch und St. Nikolaus in Latsch (sowie wohl etwas später die Kirche St. Antonius im Weinberg oberhalb von Goldrain) verliehen. Ein dazugehöriges Spital bestand bis 1334, das Ordenshaus, bis 1772 Eremitage, zeigt wie die Sakristei noch immer das Wappen des Malteserordens. In beiden Hospizen haben sich Grabsteine von Malteserrittern erhalten.

1218–1566

1218 St. Johann in Taufers und St. Medardus (später auch St. Nikolaus in Latsch und St. Antonius Abt bei Goldrain)
1224 XII 14 Agnes von Salurn, Tochter des Rupert von Salurn und Gemahlin des Nikolaus I. von Enn, vermacht dem Hospitalorden vom hl. Johannes zu Jerusalem 15 Pfund Berner für ihr Seelenheil.
1228 VIII 14 Peter von Malosco, bischöflicher Vicedominus, vermacht dem Hospital des hl. Johannes 1/3 seines Hauses in Trient (domum meam muratam in Tridento) Der Großprior Frà Wilhelm von Voltabio (Wiltabio) verkauft es am 29. Mai 1233 an den Schwiegersohn des Erblassers Purcardino von Cagnò.
1259 "Chunrado provisori hospitalis in Tawfers ordinis Jherosolimitani"
1492 im Pustertal wird Hans Heufler von Rasen und Hohenbühel als Ordensritter erwähnt.
1497 stirbt der Johanniter Freiherr Christoph von Wolkenstein auf Rhodos. Er war Domherr von Brixen und 1491 Pfarrer von Eppan. 
1499 Im Engadiner Krieg werden die Einkünfte des Hospizes zu St. Johann in Taufers zerstört. Sehr wahrscheinlich fallen auch manche Ordensritter. St. Medardus bleibt verschont.
1501 stirbt Frà Johann Stadler als Komtur zu St. Johann in Taufers. Sein Nachfolger war der Akolyt Johann Schenk. 
1555 wird der Neffe des Hans Heufler von Rasen, Leonhard Kurz von Toblach, als Ordenskomtur und "miles Wormariensis" erwähnt.
1566 ist ein Lucius Annexius letzter Komtur in St. Johann in Taufers.

1567–1918

Aus Bozen stammte Christoph Sigmund Römer von Maretsch (+1571). Er war 1560 Komtur in Mailberg und gehörte dem Großpriorat Österreich an. Der Tiroler – und hier vor allem der Trienter – Adel stellt immer wieder Ordensritter, die meisten gehören aber den Großprioraten Österreich oder Böhmen an. Es begegnen uns unter anderen
1604 Ferdinand Graf Trautson
1613 Frizzi aus Rovereto (vgl. Fenzo, 1783)
1684 Karl Philipp von der Pfalz war Malteserritter (1679–1684), 1712 Gubernator von Innerösterreich in Innsbruck, 1716–1742 Kurfürst
1702 der böhmische Großprior Franz Sigismund Graf Thun (1639–1702)
1704 Philipp Jakob Vintler, Malteserritter; er stirbt allerdings bei der Schlacht von Vercelli. 
1716 Joseph Imanuel und Innozenz Anton Grafen von Lichtenstein
1724 Vigilius Basilius Graf Thun
1842 Paris Joseph Maria Graf Lodron-Laterano zu Nogaredo bei Rovereto (1772–1842)
1846 Johann Baptist Graf von Spaur 
1848 Karl Call von Rosenburg und Wiesenthein Freiherr von Kulmbach aus Eppan (1771-1848)
1862 Anton Ritter von Malfèr zu Auerheim ist Inhaber des Donatkreuzes des Malteserordens. 
1876 Robert Graf Terlago
1879–1905 Johann Baptist Graf Ceschi a Santa Croce, Großmeister
Galeas Graf von Thun (1905–1931), Großmeister
1912 Anton Graf Ceschi a Santa Croce

1918–1996

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zusehens mehr Südtiroler im Großpriorat Venedig aufgenommen, so 1950 Franz Joseph Graf Forni (1904–1992), 1966 Peter von Ehrenstein, 1968 Carl Baron Eyrl, 1971 Ladislao e Paolo de Laszloszky, 1983 Bernhard Baron Hohenbühel, 1985 Georg Baron Di Pauli und Isabelle Baronin Eyrl, 1986 Carl-Philipp Baron Hohenbühel und Fritz Singer, 1987 Michl Ebner, 1989 Heinrich und Hans-Christoph Barone Hohenbühel, 1991 Enrico, Ferdinando und Ermanno de Ehrenstein, 1993 Clemens von Guggenberg und 1994 Alexander Baron Hohenbühel. Die steigende Anzahl an Rittern nährte den Wunsch nach Eigenständigkeit und den vermehrten Gebrauch der eigenen Muttersprache. Seit dem 30. Jänner 1997 gibt es in Südtirol eine eigenständige Delegation des Großpriorates Venedig des Malteserordens mit Sitz in Bozen.
 Quellen

•    Bündner Urkundenbuch, Bd. 2, Nr. 937
•    Franz Huter (Bearb.), Tiroler Urkundenbuch I, Bd. 2, Innsbruck 1949, Nr. 903* und 904. 
•    Archiv Churburg / Archivio Castel Coira
•    TLA, Kammerkopialbuch 308, fol. 360
•    DA Brixen, Konsistorialakten (zum Priorat St. Johann in Feldkirch, gegr. v. Hugo v. Montfort, 1218)
 Wichtigste Literatur 
 
•   David Fliri, Ein Urkundenfund zum Johanniterhospiz St. Johann in Taufers, in: Tiroler Heimat 79/2015, 2015
•   Walter Landi, Haderburg. Die Feste an der Salurner Klause, Regensburg 2010
•   Klaus Militzer: Die Rolle der Spitäler bei den Ritterorden, in: Michael Matheus (Hrsg.): Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich. Alzeyer Kolloquium 1999 (=Geschichtliche Landeskunde, Band 56), Stuttgart 2005
•   Martin Mittermair, Bauforschung als Aspekt der Kunstwissenschaft. Romanische Sakralarchitektur in Tirol (Dissertation), Innsbruck 1999, S. 219-248
•   Heinz Noflatscher (Hg.), Der Deutsche Orden in Tirol (= Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 43), Marburg/Bozen 1991

•   Walter Schneider: Die Hospitäler im Raum Alt-Tirol. Probleme einer Pass- und Übergangsregion, in: Michael Matheus (Hrsg.): Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich. Alzeyer Kolloquium 1999 (=Geschichtliche Landeskunde, Band 56), Stuttgart 2005

•   Josef Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols, 7. Auflage, 2. Band, Bozen 1991